Landtag Mainz

Landtag Mainz

Renovierung und Restrukturierung Landtag Mainz

„Demokratie leben“ als durchgängiger Leitgedanke

Im Landtag in Mainz soll Demokratie erlebbar und sichtbar gemacht werden, die Identifikation mit den demokratischen Prozessen in Rheinland-Pfalz soll gestärkt werden. Dieser Leitgedanke zieht sich als zentraler Aspekt durch das gesamte Projekt der Sanierung und Erweiterung des Landtagsgebäudes. Ziel ist die Stärkung und Weiterentwicklung des bürgernahen und offenen Landtags in Mainz und die Konzeption eines einladenden, für jeden zugänglichen, barrierefreien Gebäudes. Die Thematik „Demokratie leben und erleben“ zieht sich als zentrales Element durch den Landtag. Das Deutschhaus und der Erweiterungsbau werden gestalterisch durch ein thematisches Band verbunden, das sich vom Platz der Mainzer Republik nach Innen in die Foyers und den Plenarsaal mit den beiden Vorräumen webt und Bestand und Neubau zu einer starken Einheit zusammenwachen lässt.

Stärkung der Verbindung von Deutschhaus und Schloss

Städtebaulich fügt sich der Erweiterungsbau des Landtags in den bedeutsamen Standort zwischen die historischen Eckpfeiler Deutschhaus und kurfürstliches Schloss. Es gilt eine Lösung zu entwickeln, die sich zurückhaltend in dieses Ensemble einpasst und gleichzeitig durch eine zeitgenössische Formensprache Modernität und Zukunftsorientierung ausdrückt. Während im Schwedenplan von 1625/26 eine kontinuierliche Festungsmauer entlang des Rheins und im Stadtplan von 1784 ein geschlossener Gebäudezug vom Zeughaus über Deutschhaus bis zur Kurfürstlichen Residenz erkennbar ist, befindet sich heute durch die Kreuzung zur Großen Bleiche eine dominierende Öffnung in diesem Bereich. Durch die lineare Erweiterung des Deutschhauses entlang des Verlaufs der ehemaligen Stadtmauer wird die entstandene Lücke ein Stück geschlossen und die Verbindung zum kurfürstlichen Schloss wieder gestärkt. Ein langfristiger Rückbau oder eine Verengung der Einmündung in die Peter-Altmeier-Allee und ggf. ein weiteres Gebäude zwischen Landtag und Schloss würden diese Entwicklung des größtmöglichen Lückenschlusses noch weiterführen. Der Neubau, der die an das Deutschhaus angrenzende bestehende Stadtmauer weiterführt, fügt sich mit seiner zeitgenössischen Formen- und Architektursprache harmonisch in das bestehende Gebäudeensemble ein.

 Neudefinition und Gestaltung des Platzes und der Freiflächen

Der „Platz der Mainzer Republik“ wird neu definiert und als repräsentativer Außenraum mit hoher Aufenthaltsqualität entwickelt. Mit der Betonung des räumlichen Zusammenhangs von Deutschhaus und Kurfürstlichem Schloss greift das Planungskonzept den historischen Baugedanken auf. Durch die Ausdehnung der Grünfläche bis nahe an die Kavaliergebäude heran wird der platzräumliche Schwerpunkt zu den Gebäuden hin verlagert. Der „Platz der Mainzer Republik“ rückt von seiner bisherigen Orientierung als (Park-)Platzfläche im Grünen in den räumlichen Zusammenhang der Gebäude. Auch der Grünraum erfährt eine sinnfällige Erweiterung. Der Bereich vor dem Erweiterungsbau des Landtags wird konsequent als mineralische Platzfläche ausgestaltet und in die neu entstehende gesamträumliche Platzabfolge von der Staatskanzlei bis zum Kurfürstlichen Schloss eingebunden. Skulpturale, thematisch bespielte Leitelemente führen die Besucher intuitiv von der Großen Bleiche über den neu gestalteten Platz  zum neuen Besucherfoyer des Landtags, bzw zum Kurfürstlichen Schloss.

Ein für jeden zugängliches Haus durch barrierefreie Eingänge

Der Landtag soll ein für jeden gleichermaßen einladender und zugänglicher Ort werden. Durch barrierefreie Eingänge und die komplett barrierefreie Gestaltung im Gebäudeinneren wird dieses zentrale Anliegen des Landtags erreicht. Der neue Haupteingang im Erweiterungsbau, der als alltäglicher, funktionaler und barrierefreier Zugang für Besuchergruppen und Landtagsabgeordnete funktioniert, führt die Besucher in das großzügige neue Besucherfoyer, das als Empfangsbereich  und Besucherinformationszentrum genutzt wird. Dieser Bereich wird zur zentralen Schnittstelle zwischen den öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen des Landtags und wird zu einer belebten Austausch- und Begegnungsplattform zwischen Besuchern und Abgeordneten. Mit dem neuen Eingangsbereich im Anbau wird der hohen Anzahl an täglichen Besuchern – im Schnitt 600 Personen/Tag !- und den damit verbundenen Funktionen und Anforderungen an ein einladendes und offenes Besucherzentrum Rechnung trägt. Der bisherige Haupteingang im Mittelrisalit des Deutschhauses bleibt erhalten und wird weiterhin für offizielle Anlässe genutzt.  Durch eine neue Eingangstreppe, die sich auf beiden Seiten zu einer Rampe entwickelt und sich entlang des gesamten Altbaus erstreckt wird einerseits die Symmetrie und die imposante Erscheinung des Deutschhauses gewahrt und gleichzeitig ein repräsentativer und barrierefreier Zugang zum Landtag geschaffen.

Klare Trennung von öffentlichen bis hin zu nichtöffentlichen Bereichen

Durch den neuen Haupteingang im Erweiterungsbau wird eine klare Trennung von öffentlichen Bereichen im Neubau und halböffentlichen Bereichen bis hin zu nichtöffentlichen Bereichen im Deutschhaus erreicht. Die Besucher erreichen über das neue Eingangsfoyer linkerhand das Restaurant. Die großzügige, neue Rampe führt rechterhand ins Deutschhaus mit seinem Foyer, den Sitzungssälen und dem Plenarsaal. Alle für die Besucher zugänglichen Bereiche liegen im Gebäudeteil des Deutschhauses, der an den öffentlichen Neubau anschließt, also dem Plenarsaal „vorgelagert“. Hier sind auch großzügige Aufenthaltsbereiche für die Besucher eingerichtet. Auf der gegenüberliegenden, südlichen Seite des Plenarsaals befinden sich die nichtöffentlichen Bereiche. Die Abgeordneten erreichen den Plenarsaal und die Sitzungssäle über ein eigenes Treppenhaus bzw. einen separaten Aufzug. Hier befindet sich darüber hinaus das Büro des Präsidenten, ein Loungebereich für offizielle Anlässe sowie die Büros der Landtagsdirektion. Das dritte Obergeschoss sowie die Kavaliersgebäude sind gänzlich der Verwaltung vorbehalten. Durch den im Alltag gemeinsam genutzten neuen Haupteingang sowie gemeinsam genutzte Bereiche wie die Foyers oder das Restaurant bleiben jedoch die von Besuchern sehr geschätzten vielfältigen Kontaktmöglichkeiten mit den Abgeordneten erhalten, so dass die persönliche Atmosphäre im Landtag bestehen bleibt.

Neustrukturierung des Deutschhauses ohne Eingriff in die historisch bedeutsame Bausubstanz

 Das Deutschhaus blickt in seiner Geschichte auf viele bedeutende Etappen der demokratischen Bewegung in Deutschland und Europa zurück und ist somit ein wichtiges Element, in dem die Demokratie erlebbar wird. Die Außenhülle der denkmalgeschützte Bausubstanz des Deutschhauses wird daher, ohne jeglichen Eingriff, in seiner Form und Erscheinung erhalten. Das Gebäudeinnere wird, um eine zeitgemäße und funktionale Organisation der Räume zu realisieren und den heutigen Anforderungen an Brandschutz, Technik und Barrierefreiheit zu entsprechen, im Inneren komplett entkernt und umstrukturiert. Das gesamte Erdgeschoss lässt sich dadurch klarer und funktionaler gestalten, auch die Aufenthaltsbereiche um den Plenarsaal im ersten Stock werden offener und großzügiger. Die Sitzungsräume gruppieren sich im Erdgeschoss entlang der Rheinseite des Deutschhauses und im Zwischenbau. Durch die interne Neustrukturierung und durch den Einsatz von Glasflächen zur Flurseite hin werden diese Räume offener und freundlicher gestaltet und untermalen das Bild eines transparenten und bürgernahen Landtags. Die neuen Treppenhäuser erhalten durch ein großes, mit einer Lichtskulptur ausgestaltetes Treppenauge eine neue Großzügigkeit. Die Nebenräume werden funktional zwischen das Foyer des Deutschhauses und die Treppenhäuser integriert.